Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Der Hauskomplex im Nordteil von Androna


Hauskomplex und Wasserreservoir von SO


Das Haus liegt innerhalb und in unmittelbarer Nähe des inneren Mauerrings. Die Luftaufnahme von Georg Gerster, angefertigt im Frühjahr 1997, ließ vermuten, dass sie einen Haustypus mit zentralem Innenhof zeigt, wie er in Androna häufiger anzutreffen ist. Doch die Grabungsergebnisse haben dies nicht bestätigt.

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Ausschnitt Grundriß: Stall (S), Vestibül (V) und Empfangsraum (E) markiert, und Vestibül nach SO Ausschnitt Grundriß: Stall (S), Vestibül (V) und Empfangsraum (E) markiert Vestibül nach SO


Dies sind die Charakteristika der Hausanlage:
1) Die an der Südseite des Hofes liegenden Haupträume des Hauses sind auf eine südliche und eine nördliche Pfeilerportikus ausgerichtet. Diese ungewöhnliche Ausrichtung ist das Ergebnis mehrerer Bauphasen. In den ältesten Teilen des Hauses waren die Wände aus Lehmziegeln, die Fenster und Türen aus Basalt und die Sattel- und Pultdächer aus gebrannten Ziegeln. In den späteren Bauphasen wurden Basaltquader intensiv mit Lehmziegeln kombiniert und prägten ein Erscheinungsbild, das bis jetzt keine direkten Parallelen in der reichen Hausarchitektur Syriens hat.
2) Die südliche Raumfolge teilt ein Pfeilervestibül in einen doppelgeschoßigen Ostteil mit fünf Erdgeschossräumen um ein zentrales Stallgebäude sowie einem Empfangsraum an seiner Nordseite und einen Westtrakt mit Lager- und Produktionsräumen (Vorratsgefäße, Wein-/Ölpressen).

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Fussbodenmosaik Empfangsraum, Ausschnitt


3) Das Haus war reich ausgestattet und belegt den Wohlstand seiner Besitzer: Die Wohnräume im Obergeschoss besaßen Fußböden aus farbigen Mosaiksteinen und die verputzten Wände waren bemalt. Die zahlreich erhaltenen Schrankenplatten und Säulenkapitelle aus Basalt sind in ihrem hervorragend gearbeiteten Dekor den besten Arbeiten der Basaltregionen Syriens vergleichbar. Für das aufwendige Fußbodenmosaik des Empfangsraums wurde eine der besten Mosaikwerkstätten Nordsyriens nach Androna gerufen. Die zeitliche Abfolge der einzelnen Bauphasen führt von der ersten Hälfte des 5. bis in das frühe 7. Jahrhundert. Wichtig ist, dass die Keramikfunde über diesen Zeitraum hinausführen und eine Nutzung des Hauses in omayyadischer und abassidischer Zeit dokumentieren.

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Seitenbearbeiter: Matthias Guth