Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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Die Umfassungsmauern


Die Entstehungszeit der beiden Mauerringe und die Beziehung zwischen ihnen und dem im Zentrum errichteten Militärlager sind von fundamentaler Bedeutung für die Geschichte des Ortes. Selten hat ein Ort zwei Umfassungsmauern und darüber hinaus auch noch ein Militärlager im Ortszentrum. Entstand die äussere Mauer in Reaktion auf das Wachstum der Siedlung oder ging ihr vielleicht eine Zerstörung der Innenmauer voraus? Welche der Mauern war noch in Funktion, als das Militärlager errichtet wurde?
Der äußere, überwiegend aus Lehmziegeln errichtete Mauerring ist unter Sandverwehungen begraben und wesentlich besser erhalten als der innere, aus Basalt erbaute Mauerring, der bis auf die Fundamentlagen abgetragen wurde und über weite Strecken an der Oberfläche nicht mehr greifbar ist.

Basaltmauer: Ostteil mit Toranlage


Wir haben zwei Toranlagen des inneren und zwei des äußeren Mauerringes ausgegraben und mit geophysikalischen Prospektionen zumindest einen Teil des ursprünglichen Verlaufs der inneren Mauer geklärt. Mit den Ergebnissen können wir einige Fragen beantworten, doch steht fest, dass beide Mauerringe weiterführende geophysikalische Prospektionen und Grabungen verlangen. Dies sind die bisherigen Ergebnisse:
Es gibt deutliche Hinweise dafür, dass nicht der äußere, sondern der innere Mauerring die ältere Anlage ist. Die Konstruktion der Mauer mit ihren zahlreichen Türmen und aufwendigen Toranlagen war schon darum eine gewaltige Aufgabe, weil das umfangreiche Basaltmaterial nach Androna importiert werden musste. Wenn sie je fertiggestellt wurde, dann setzte das Ab- tragen der Mauer ein gewaltiges Material an Basaltquadern frei. Die Frage ist: Wurde es schon in frühbyzantinischer Zeit in Bauten Andronas wiederverwandt?
Grabungen und geophysikalische Prospektionen im Nordostteil des Ortes ergaben, dass sie bereits außer Funktion war, als im 6. und 7. Jh. die Häuser zwischen den beiden Mauerringen errichtet wurden. Den Zwischenmauerbereich durchlaufen Strassenzüge flankiert von Portiken, die zum Ortszentrum führten, und somit die Basaltmauer, wäre sie noch in Funktion gewesen, gekreuzt hätten. Weiterführende Informationen werden von der Freilegung der zwischen beiden Mauerringen liegenden Häuser und Kirchen erwartet.

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NW-Teil des Ortes mit Basaltmauer (D), NW-Kirche (B), Tor Außenmauer (A), Strassenzug (C)


Die Hauptmauer und die Türme des äußeren Mauerringes bestehen aus ungebrannten Ziegeln auf einem Sockel aus Basaltsteinen. Bei den Toranlagen im Nordwest- und Südteil der Mauer dagegen wurden die Tore aus Basaltquadern, die sie flankierenden Türme aus Lehmziegeln errichtet. Während wir bei den Toren der inneren Mauer keine Nutzungsspuren fanden, sprechen tiefe Wagenspuren in der Schwelle des NW-Tores dafür, dass zumindest dieses Tor über längere Zeit in Gebrauch war.

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Lehmziegelmauer: Toranlage und Hauptmauer


Bei der Freilegung der Toranlagen kam verhältnismäßig wenig Keramik zutage. Die Befunde datieren überwiegend in das 6.-7. Jahrhundert und führen nicht über das 10. Jahrhundert hinaus.

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Seitenbearbeiter: Matthias Guth